Die Möglichkeiten und Anforderungen in der Gesamtbanksteuerung entwickeln sich heute immer dynamischer. Dabei geraten zunehmend auch Steuerungsbereiche in den Fokus, die bisher eher von untergeordneter Bedeutung waren. Die Folge sind steigende Anforderungen an eine integrierte Gesamtbanksteuerung. Mit dem vorliegenden Instrumentarium haben die Sparkassen eine solide Basis, die weiter zu entwickeln ist.
In den vergangenen Jahren haben sich einzelne Bereiche des Controllings in Kreditinstituten sehr dynamisch entwickelt. Jüngste Beispiele sind die Vertriebssteuerung und das Controlling von operationellen Risiken und Ausfallrisiken. Im Fokus der Gesamtbanksteuerung steht in den meisten Fällen allerdings weiterhin die Steuerung des Zinsbuchs. Die Abbildung der vielfältigen Wechselwirkungen der einzelnen Steuerungsbereiche ist deshalb weiter zu entwickeln.
Die Entwicklungen in der Kreditrisikosteuerung in der jüngeren Vergangenheit sind dafür das beste Beispiel. Mit dem DSGV-Rating ist verbundweit eine Plattform entstanden, um risikoadjustierte Konditionen im Aktivgeschäft zu kalkulieren und zugleich Kreditrisiken für alle Sparkassen gleichnamig zu machen. Diese Gleichnamigkeit nutzen die Sparkassen mit dem Projekt „Kreditpooling in der Sparkassen-Finanzgruppe“, um eine Handelsplattform für Kreditrisiken zu schaffen. Beides verbessert die Steuerung der einzelnen Bereiche erheblich. Es besteht jedoch die Gefahr, dass Wechselwirkungen untereinander ignoriert werden.
Dies zeigt etwa die Steuerung von Kreditrisiken bei Pooling- oder Verbriefungsaktionen, die sich vor allem auf die Reduzierung des Credit Value at Risks konzentriert. Doch je nach Ausgestaltung der Verbriefungen werden die Transaktionen auch zu einer Entlastung der barwertigen Risikodeckungsmasse der Sparkasse führen. Zudem können die erzielten Erlöse und Transaktionskosten innerhalb des Adressrisiko-Treasurys die Performance beeinflussen - positiv wie negativ. Diese Folgen für die Gesamtbanksteuerung sind allein mit den Methoden der Credit-Value-at-Risk-Kalkulation und der risikoadjustierten Bepreisung nicht zu ermitteln.

Das Kreditpooling in der Gesamtbanksteuerung
Dieses Beispiel macht deutlich: Die zunehmend komplexe Steuerung der einzelnen Bereiche erfordert eine zunehmend komplexe Klammer, mit anderen Worten: eine integrierte Gesamtbanksteuerung. Nur so ist es möglich, die verbesserten Möglichkeiten der Banksteuerung über alle Bereiche der Sparkasse hinweg sinnvoll umzusetzen. Mit einer durchgängigen Planung und Messung von Erträgen und Risiken kann eine Sparkasse ihre Risikotragfähigkeit verlässlich ermitteln und Schwankungen verursachungsgerecht den verschiedenen Steuerungseinheiten zuordnen. Notwendig sind dafür sowohl ein betriebswirtschaftliches Instrumentarium als auch die entsprechende IT-Unterstützung.
Zu beachten ist hierbei, dass die Anforderungen der einzelnen Sparkassen an das Controlling sehr heterogen sein können: Große Institute stellen hohe Anforderungen an die Abbildung eines komplexeren Kunden- und Eigengeschäfts; zusätzlich müssen sie den IRB-Ansatz aus Basel II und IFRS integrieren. Kleinere Institute dagegen stellen oft geringere Anforderungen an das Controlling und haben zudem nicht die personellen Ressourcen, um komplexe Gesamtbanksteuerungssysteme umzusetzen. Um jedoch verbundweit die Vorteile der verbesserten Gesamtbanksteuerung nutzen zu können, muss zum Beispiel jeder Sparkasse ein Kreditpooling zur Verfügung stehen.
Entscheidend ist daher, der einzelnen Sparkasse die betriebswirtschaftliche und technische Unterstützung anzubieten, um die beschriebenen Wechselwirkungen sinnvoll abzubilden. Insbesondere bei der Einführung der entsprechenden IT-Systeme sollte man vermeiden, dass die Software nur der Unterstützung eines einzelnen Steuerungsbereichs dient. Die negativen Folgen wären sonst im besten Fall Redundanzen bei der Datenerfassung und Datenhaltung, in den meisten Fällen jedoch die Gefahr von Fehlentscheidungen bei der Steuerung.
Was ist zu tun? Erste Priorität hat weiterhin zu Recht die Umsetzung der vorliegenden konzeptionellen Vorgaben des DSGV an die Steuerung der verschiedenen Sparkassenbereiche. Dies schafft eine sehr gute Basis für eine durchgängige Gesamtbanksteuerung. Der nächste notwendige Schritt ist die Integration der einzelnen Steuerungsbereiche unter sorgfältiger Beobachtung der Entwicklungen an den Sekundärmärkten. Dafür ist es notwendig, die entsprechenden Konzepte laufend weiter zu entwickeln und das IT-Umfeld anzupassen. Vor allem aber müssen Vorstände und Controller in vielen Fällen umdenken, um der Gesamtbanksteuerung einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Gefordert sind hier die einzelnen Sparkassen, aber auch die Verbände und Akademien. Die Entwicklung liquider Märkte für Kreditrisiken könnte dafür ein Katalysator sein.
Autor: Lars Holzgraefe, Leiter Produktmanagement, parcIT GmbH
