Der Credit Spread von Unternehmensanleihen lässt sich in Prämien für Kredit-, Spread- und Liquiditätsrisiken zerlegen. Als risikofreier Referenzzinssatz wird dabei in der wissenschaftlichen Literatur üblicherweise die Rendite von Staatsanleihen verwendet. Der vorliegende Beitrag untersucht, welche Kapitalmarktrenditen alternativ als Referenz verwendet werden können. Dazu müssen die Renditen, die praktisch kein Ausfallrisiko aufweisen dürfen, an einem liquiden Markt ermittelt werden, der das gesamte Laufzeitspektrum abdeckt. Von den in diesem Beitrag untersuchten Kapitalmarktzinssätzen eignen sich sowohl die Renditen von Staatsanleihen als auch Swapsätze als risikofreie Referenz bei der Ermittlung des Credit Spreads.
Da sich Swapsätze und Staatsanleihenrenditen voneinander unterscheiden, hängt die absolute Höhe des Credit Spreads von der Wahl des risikofreien Referenzzinssatzes ab. Zentrale Bedeutung kommt daher der Interpretation des Renditeunterschiedes zwischen Staatsanleihen und Swaps — dem Swap Spread — zu. Aktuelle empirische Studien legen nahe, den Swap Spread als Attraktivitätsprämie für Staatsanleihen zu interpretieren. In diesem Fall müssten Aussagen von Studien, die den Credit Spread als Renditedifferenz zu Staatsanleihen berechnen und in einzelne Risikoprämien aufteilen, neu betrachtet werden.
Pape, Ulrich/Schlecker, Matthias (2010): Analyse von Credit Spreads in Abhängigkeit des risikofreien Referenzzinssatzes. ESCP Working Paper Nr. 54, ESCP Europe Campus Berlin.

Der Credit Spread stellt für Investoren einen attraktiven Renditezuschlag gegenüber Staatsanleihen dar. Hierfür ist der Anleger bereit, die mit einer Unternehmensanleihe verbundenen Kredit-, Liquiditäts- und Spreadrisiken zu übernehmen. Insbesondere steigende Credit Spreads führten während der Finanzmarktkrise zu sinkenden Anleihewerten und damit zu Verlusten in Bond-Portfolios. Daher sind Kenntnisse über die Credit-Spread-Dynamik für die Investitionsentscheidung und das Risikomanagement von Anleiheportfolios von großer Bedeutung.
